Puno-Cusco, 20.08.2026

Früh am Morgen hieß es aufstehen, um an einer Tour über den Titicacasee teilzunehmen. Um 7:00 Uhr wurde ich nach einem frühen Frühstück abgeholt. Aus demselben Hostel kam auch Cam, und so startete unsere gemeinsame Titicaca-Rundtour.

Ein Boot brachte uns zunächst zu den schwimmenden Schilfinseln. Sie bestanden aus einer Art Binsengewächs, und als wir auf einer der Inseln Halt machten, wurde uns sehr genau erklärt, wie eine solche Insel hergestellt wird. Das gleiche Material, aus dem die Inseln gebaut wurden, war sogar essbar. Unser Tourguide riet uns allerdings davon ab, es zu probieren, da der Magen von Touristen nicht an die Bakterien im Wasser gewöhnt sei. Da die Binsen im Wasser wachsen, würde das Probieren höchstwahrscheinlich zu Magenproblemen führen.

Es war unglaublich interessant zu erfahren, wie die Inseln gebaut und instand gehalten wurden und wie lange sie letztendlich hielten. Neben dem Aufbau der Inseln wurde uns auch die Kultur der dort lebenden Menschen erklärt und wie sie ihren Lebensunterhalt verdienten. Sie erzählten uns, dass sie hauptsächlich von der Fischerei und Entenjagd lebten. Bei den Preisen, die sie uns Touristen allerdings für alles Mögliche abknöpften, hegten Cam und ich den Verdacht, dass inzwischen ein beträchtlicher Teil ihres Einkommens aus dem Tourismus stammte.

Nach diesem Halt ging es weiter zur zweitgrößten Insel des Titicacasees. Dieses Mal handelte es sich um eine echte Insel und nicht um eine aus Schilf gebaute. Obwohl die Inseln so nah beieinander lagen, hatten die Menschen dort eine völlig andere Kultur.

Die Bewohner trugen noch traditionelle Kleidung, wobei die Mütze als wichtigstes Markenzeichen galt. Sie spielte sogar eine besondere Rolle bei der Partnerwahl. In dieser Kultur war Stricken eine wichtige Tugend, und ein Mann, der besonders gut stricken konnte, durfte heiraten. Beurteilt wurden seine Strickkünste vom Vater der Braut, indem die Mütze mit Wasser gefüllt wurde. Je nachdem, wie lange sie das Wasser hielt, ohne dass es durchsickerte, durfte der Stricker schließlich die Tochter heiraten, oder eben nicht.

Während die Männer strickten, stellten die Frauen Gürtel und andere Schmuckgegenstände her. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie außerdem mit Viehwirtschaft, Landwirtschaft und Fischerei. Allerdings hatten wir auch hier den Eindruck, dass der Tourismus mittlerweile eine der wichtigsten Einnahmequellen darstellte.

Nach einem leckeren Forellen-Mittagessen ging es für uns weiter über die Insel. Wir genossen die wunderschöne Natur, bevor wir schließlich wieder zum Boot zurückkehrten.

Wie schon auf dem Hinweg genossen Cam und ich die Fahrt auf dem Sonnendeck des kleinen Bootes. Neben der wunderschönen Aussicht fielen uns dabei zahlreiche kleine und größere Grasbrände auf. Ob diese absichtlich gelegt worden waren oder nicht, erschloss sich uns leider nicht.

Als wir wieder in Puno angekommen waren, ging es für mich zunächst kurz zum Busbahnhof, um ein Ticket für den Abend zu kaufen. Auf dem Weg dorthin musste ich mich durch einen Markt quetschen, auf dem Haushaltsgegenstände und Kleidung verkauft wurden. Wie so oft war ich überrascht, dass Dinge, für die es in Europa eigene Geschäfte gibt, hier ganz selbstverständlich auf Märkten verkauft wurden.

Nach ein wenig Verhandeln bekam ich am Busbahnhof ein günstiges Ticket nach Cusco. Anschließend ging es für mich zurück zum Hostel, um meine weitere Reise zu planen und mich noch etwas auszuruhen. Dabei versorgte ich mich großzügig mit dem kostenlosen Tee des Hostels.

Nach einem kleinen Abendsnack verabschiedete ich mich schließlich auch von Cam, und dann ging es los. Auf dem Weg zum Busbahnhof sah ich wieder den Karneval. Begleitet von Musik machte ich mich also auf den Weg zum Busbahnhof, in der Hoffnung auf eine erholsame Nacht im Bus.