In Ica angekommen, war der ursprüngliche Plan, ein Hostel direkt neben der Bushaltestelle anzusteuern und dort nach einem freien Bett zu fragen. Kaum aus dem Bus ausgestiegen, lernte ich allerdings Alina kennen, eine weitere Deutsche. Da sie mir auf Anhieb sehr sympathisch war, beschloss ich kurzerhand, mit ihr in Richtung ihrer Unterkunft zu laufen. Diese lag in Huacachina, und da dort ohnehin mein Sandboarding stattfinden würde, machte es für mich keinen großen Unterschied.


Ich entschied mich letztendlich zwar für ein anderes Hostel, aber wir verabredeten uns für den Abend, um nach meinem Sandboarding noch etwas gemeinsam zu unternehmen.
Kaum im Hostel angekommen, musste ich auch schon wieder los zum Treffpunkt. Von den Skiern wurde mir aufgrund der hohen Verletzungsgefahr abgeraten, und so endete ich spontan mit einem Snowboard unter den Füßen. Nach einem kurzen Hike wurden wir in die Buggies gesetzt und dann ging es los durch die Wüste. Und zwar in einem Affenzahn.
Allein für die Buggietour hätte ich schon den vollen Preis bezahlt. Wir fuhren fast senkrechte Sandwände hoch und wieder herunter, und unser Fahrer ließ keine Gelegenheit aus, die Dünen als Sprungschanzen zu benutzen und uns für kurze Momente schwerelos fühlen zu lassen. Nach einer Fahrt, die sich eher wie eine Achterbahn als wie eine normale Tour anfühlte, steuerte der Fahrer schließlich unseren ersten Sandhügel an.

Die Steigung war noch moderat und damit perfekt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich das Board an den Füßen und im Sand anfühlte. Zweimal durften wir den Hügel hinunterfahren, bevor es zur nächsten Düne ging. Schon etwas vorsichtiger probierte ich die ersten Kurven, und inzwischen fühlte sich das Board an meinen Füßen ganz gut an.
Beim vorletzten Hügel beschloss ich schließlich, die Vorsicht über Bord zu werfen, und raste den Hang hinunter. Die erste Kurve klappte noch ganz gut, aber bei der zweiten zerlegte es mich dann so richtig. Zum Glück bestand der Untergrund aus Sand, sodass es letztendlich nur in knirschenden Zähnen und Sand überall, vor allem in den Ohren, endete.






Der letzte Hügel war schließlich so steil, dass man einen Teil der Strecke von oben nicht einmal sehen konnte. Ohne gefährliche Kurven, dafür mit jeder Menge Spaß, schafften wir es auch diesen Hügel hinunter.
Anschließend fuhren wir zu einem Aussichtspunkt, an dem wir den Sonnenuntergang beobachten konnten. Während des Sandboardings hatte ich einige Bekanntschaften gemacht, unter anderem mit Lucia und Paulina. Gemeinsam schauten wir uns den Sonnenuntergang an, tranken den Alkohol, den die Tourguides mitgebracht hatten, und genossen diese unglaubliche Aussicht.






Denn wir befanden uns mitten in der klischeehaftesten Wüste, die ich je gesehen hatte. Riesige Sanddünen, soweit das Auge reichte, und mittendrin die kleine Oase Huacachina, allein dieser Anblick war schon ein ziemlich beeindruckendes Erlebnis.
Als die Sonne schließlich untergegangen war, ging es genauso rasant zurück, wie wir gekommen waren. Allerdings war das Erlebnis bei Dunkelheit noch einmal komplett anders. Jede Kurve und jeder Sprung kam völlig überraschend, weil man die Strecke kaum sehen konnte.
Nachdem wir die Boards wieder abgegeben hatten, ging es zum Hostel von Lucia und Paulina, um etwas zu essen und den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Im gleichen Hostel war zufällig auch Alina, und so ließen wir den Abend zu viert mit einem Burger und guter Musik ausklingen.
Als ich schließlich zurück zu meinem eigenen Hostel wollte, wurde mir der Weg allerdings von einer ganzen Gruppe Security-Leute versperrt. Es dauerte einige Minuten und einige weitere Gäste, die ebenfalls gehen wollten, bis uns erklärt wurde, dass Huacachina wohl gerade komplett abgesperrt worden war, vermutlich aufgrund einer Drogenrazzia.
Polizisten versuchten offenbar, sich Zugang zu unserem Hostel zu verschaffen. Da sie allerdings keinen Untersuchungsbefehl vorweisen konnten, verweigerte das Hostel den Zutritt. Das konnten die Mitarbeiter allerdings nur, indem sie die Eingangstür geschlossen hielten. Das bedeutete: Niemand kam rein und niemand kam raus.
Da niemand wusste, wie lange diese Situation dauern würde, beschloss die Hostelleitung kurzerhand, allen wartenden Gästen kostenlos ein Zimmer anzubieten. Und zu einem privaten Zimmer, ohne noch lange durch die Nacht laufen zu müssen, sagte ich natürlich nicht Nein.
So übernachtete ich kurzerhand in diesem wirklich schönen Hostel, in einem privaten Zimmer. Und damit ging ein weiterer äußerst ereignisreicher Tag zu Ende.
