Buenos Aires 1

16.07.2026

Das Hostel bot jeden Tag verschiedene geführte Touren an, und für den Donnerstag stand eine sogenannte Downtown Walking Tour auf dem Programm. Jannik entschied sich, diese auszulassen, da er nach dem langen Vortag noch ziemlich müde war. Charles und ich schlossen uns dagegen der Tour an und machten uns gemeinsam mit unserem Guide Dante und Romeo, einem auf den Philippinen geborenen, inzwischen aber in Oslo lebenden Teilnehmer, auf den Weg in die Innenstadt.

Auch wenn der Name etwas anderes vermuten ließ, handelte es sich bei der Tour eigentlich weniger um einen Spaziergang als vielmehr um eine spannende Geschichts- und Kulturführung. Während wir an historischen Gebäuden, Kirchen und bedeutenden Plätzen vorbeikamen, erzählte Dante von der Gründung Buenos Aires‘, der Entwicklung Argentiniens und den Ereignissen, die das Land bis heute prägen. Besonders beeindruckend und gleichzeitig erschreckend war für mich, wie jung viele der dunklen Kapitel der argentinischen Geschichte eigentlich noch sind. Nach einer vergleichsweise kurzen wirtschaftlichen Blüte scheint sich das Land heute erneut in einer schwierigen Phase zu befinden, und viele der politischen und gesellschaftlichen Probleme sind noch immer deutlich spürbar.

Wir besichtigten die älteste Kirche der Stadt, die erste Buchhandlung und eine weitere Kirche, in der der spätere Papst Franziskus als Kardinal predigte. Vor dem berühmten rosafarbenen Regierungsgebäude erzählte uns Dante außerdem den Mythos, dass für den Anstrich einst nicht genügend weiße Farbe vorhanden gewesen sei und diese deshalb mit Rinderblut vermischt wurde, ob die Geschichte tatsächlich stimmt oder nicht, ließ er offen. Fast an jeder Straßenecke, an jedem Gebäude oder jeder Gedenktafel gab es jedoch eine weitere Geschichte zu erzählen. Manche reichten mehrere Jahrhunderte zurück, andere lagen gerade einmal fünfzig Jahre in der Vergangenheit.

Zur Mittagszeit legten wir eine Pause ein und probierten ein klassisch argentinisches Sandwich, das wir in einem kleinen Park aßen. Während eine zutrauliche Katze um uns herumschlich, nutzten wir die Gelegenheit, Dante noch mit einigen Fragen zu löchern und mehr über das Leben in Argentinien zu erfahren. Anschließend endete die Führung.

Da wir uns ohnehin in der Nähe eines großen Parks befanden, beschlossen Charles, Romeo und ich, den Nachmittag dort zu verbringen. Die riesige Grünanlage lag direkt am Río de la Plata. Von dort aus konnte man die Fähren beobachten, die nach Uruguay ablegten, während sich mitten im Park ein weitläufiges Feuchtgebiet erstreckte, das zahlreichen Vögeln und anderen Tieren als Lebensraum diente. Besonders beeindruckend war der Blick über das Moor hinweg auf die Skyline von Buenos Aires. Nachdem wir die Aussicht genossen und dabei unter anderem eine neugierige Gans beobachtet hatten, machten wir uns schließlich auf den Rückweg zum Hostel.

Dort stand am Abend ein Language Exchange auf dem Programm. An verschiedenen Tischen kamen Menschen zusammen, um sich in unterschiedlichen Sprachen zu unterhalten. Für mich bedeutete das vor allem, mich mit meinem noch ziemlich holprigen Spanisch durchzuschlagen. Trotzdem machte es großen Spaß.

Nach einigen Drinks beschlossen wir schließlich, den Tag mit einem Besuch im Club Sticky abzurunden. Dort waren wir die einzigen Touristen und verbrachten den Rest der Nacht gemeinsam mit jungen Leuten aus Buenos Aires auf der Tanzfläche. Gespielt wurde hauptsächlich Reggaeton, und obwohl der Club eher klein war, herrschte genau die richtige Atmosphäre: belebt, aber nicht überfüllt. Anders als in vielen Clubs hatte man tatsächlich genug Platz, um richtig zu tanzen, statt sich nur langsam durch die Menschenmenge zu schieben. So feierten wir bis in die frühen Morgenstunden und erlebten einen Abend, der sich deutlich authentischer anfühlte als jeder Touristen-Hotspot.