09.07.2026
Für unsere Wanderung klingelte der Wecker wieder sehr früh. Sophia und ich wollten den ersten Bus nach Paraty-Mirim erwischen, dem kleinen Ort, von dem aus unsere Tour starten sollte. Die Busfahrt verlief völlig problemlos und schon wenig später standen wir am Strand.



Von dort mussten wir zunächst auf die andere Seite des Fjords übersetzen. Also gingen wir den Strand entlang, bis wir einen älteren Mann mit seinem kleinen Boot entdeckten. Mit einer Mischung aus Händen, Füßen, ein wenig Spanisch und seinem Portugiesisch fragten wir, ob er uns hinüberbringen würde. Die Verständigung funktionierte erstaunlich gut und kurze Zeit später tuckerten wir bereits über das glasklare Wasser in Richtung Wanderung.
Allein die Bootsfahrt war schon ein Highlight. Die Sonne kam langsam heraus, das Wasser leuchtete türkisblau und ringsherum ragten dicht bewachsene Berge hoch. Ein wunderschöner Start in den Tag.
Am anderen Ufer begann schließlich der Aufstieg auf den Pão de Açúcar. Der Name dürfte vielen bekannt vorkommen, denn auch in Rio de Janeiro trägt einer der berühmtesten Berge diesen Namen. Der Weg nach oben hatte es allerdings in sich. Statt gemütlicher Serpentinen ging es gefühlt einfach immer geradeaus den Berg hinauf. Teilweise fühlte es sich an, als würde man endlos viel zu hohe Treppenstufen steigen.



Zwar bekamen wir unterwegs kaum Tiere zu Gesicht, dafür gab es unzählige interessante Pflanzen und immer wieder schöne Ausblicke. Oben angekommen wurden wir dafür mehr als belohnt. Vor uns lagen bewaldete Berge, der Fjord und das tiefblaue Wasser. Einige Wolken hingen noch an den Bergspitzen fest und machten die Landschaft fast schon unwirklich schön.



Die Wandergruppe, die kurz vor uns gestartet war, machte sich direkt wieder an den Abstieg. So hatten wir den Gipfel komplet für uns allein und konnten dort ganz in Ruhe unser mitgebrachtes Frühstück genießen. Während wir mit Aussicht frühstückten, leistete uns sogar eine kleine Wildbiene Gesellschaft.
Etwa eine Stunde später kamen weitere Wanderer auf den Gipfel. Sie hatten allerdings nicht vor, den normalen Weg nach unten zu nehmen, sondern seilten sich ab. Mit ihren Drohnen, Kameras und der ganzen Ausrüstung sah das ziemlich professionell aus. Da sie aus Rio de Janeiro kamen, nutzte ich die Gelegenheit natürlich direkt, um mir noch ein paar Tipps für meine nächste Station zu holen.
Nach dem Abstieg hatten wir noch genügend Zeit, bis unser Bootsfahrer uns wieder abholen sollte. Also entschieden wir uns spontan für einen weiteren kleinen Wanderweg direkt am Meer entlang. Der schmale Pfad führte durch den Urwald bis zu einem Felsen am Wasser. Dort durfte natürlich auch das obligatorische Bad im Meer nicht fehlen. Das Wasser war angenehm warm und die Kulisse einfach traumhaft.







Auf dem Weg entdeckte ich viele schöne Muscheln und sogar versteinerte Seesterne. Am liebsten hätte ich einige mitgenommen, beließ es aber lieber bei Fotos.
Etwas später entdeckten wir zwei Kokosnüsse. Beim Aufmachen mussten wir aber feststellen, dass beide bereits faul waren. Auf dem Rückweg fanden wir schließlich noch weitere Kokosnüsse unter einigen Palmen im Urwald und nahmen ein paar davon mit. Zurück am Strand öffneten wir drei Stück – und tatsächlich war eine davon noch gut. Natürlich reichte das nicht als Mahlzeit, aber allein der Gedanke, gerade eine selbst gefundene Kokosnuss zu essen, machte irgendwie stolz.








Bis unser Boot kam, schauten wir uns noch das kleine Fischerdorf in der Nähe an. Wir entdeckten Kolibris zwischen den Blüten und genossen die Atmosphäre.
Unser Bootsfahrer holte uns schließlich wie verabredet wieder ab. Auf dem Rückweg zeigte er uns sogar noch eine Algenfarm im Wasser. Mit viel Gestik, ein paar spanischen Wörtern und seinem Portugiesisch erklärte er uns, dass aus diesen Algen unter anderem Haarpflegeprodukte hergestellt werden. Er machte sogar einen kleinen Umweg, damit wir alles aus der Nähe anschauen konnten.

Zurück in Paraty-Mirim erwischten wir sofort den nächsten Bus und waren nach diesem langen Wandertag ziemlich erschöpft. Trotzdem wollten wir uns die Altstadt am Abend nicht entgehen lassen. Zwischen den beleuchteten Gassen spielte Live-Musik und überall herrschte eine entspannte Atmosphäre. Zum Abendessen probierten wir einen brasilianischen Fischeintopf mit Kochbananen, der sehr lecker war.
Später saßen wir noch eine Weile auf dem kleinen Steg am Fluss hinter unserem Hostel. Während wir den Tag Revue passieren ließen, konnte ich mit einer Katze kuscheln. Offenbar hatte sie Gefallen an meiner durch Meerwasser salzig gewordenen Hose gefunden und hielt mich gleichzeitig auch noch angenehm warm. Ein schönerer Abschluss für diesen rundum gelungenen Tag wäre kaum möglich gewesen.




