5.07.2026
Schließlich war es so weit: Es ging nach Brasilien. Dafür klingelte der Wecker mitten in der Nacht, denn ich wollte auf keinen Fall riskieren, meinen Flug zu verpassen. Am Ende war ich allerdings gute viereinhalb Stunden zu früh am Flughafen und durfte entsprechend lange auf das Boarding warten. Ein bisschen geärgert habe ich mich darüber schon, bis ich zwei Reisende mitbekam, die ihren Flug tatsächlich verpasst hatten. Da war ich plötzlich doch ganz froh, lieber zu früh als zu spät dort gewesen zu sein.


Der Flug selbst verlief überraschend angenehm. Mit Rückenwind dauerte er statt der geplanten zehneinhalb nur etwa zehn Stunden und selbst das Essen an Bord war deutlich besser als erwartet.
In São Paulo angekommen, wartete dann allerdings direkt die erste Herausforderung. Die Verbindung, die ich mir bei Google Maps herausgesucht hatte, gab es überhaupt nicht. Etwas ratlos stand ich am Bussteig vor dem Flughafen und wusste zunächst nicht so recht weiter.
Nachdem mir zwei Männer bestätigt hatten, dass ich zumindest an der richtigen Bushaltestelle wartete, stieg ich ein. Allerdings brachte mich dieser Bus nur bis zur nächsten Bahnstation. Dort ging das Chaos erst richtig los. Ich wollte ein Ticket kaufen, hatte aber noch keine brasilianischen Real dabei. Internet hatte ich ebenfalls nicht, sodass weder Google Maps noch der Übersetzer funktionierten. Der Mitarbeiter am Schalter erklärte mir irgendetwas auf Portugiesisch, ich verstand kein einziges Wort und war anschließend genauso schlau wie vorher.
Zum Glück sprach mich ein Mann an, dem wohl aufgefallen war, dass ich etwas verloren wirkte. Über den Google Übersetzer auf seinem Handy fanden wir schließlich doch einen Weg zu kommunizieren. Er arbeitete am Flughafen, war auf dem Weg in die Innenstadt, um das Fußballspiel der brasilianischen Nationalmannschaft anzuschauen, und bot kurzerhand an, mich in der Bahn mit einer zweiten Karte von Ihm mitzunehmen.
Gemeinsam fuhren wir mit Zug und Metro quer durch die Stadt. Erst kurz vor meinem Ziel trennten sich unsere Wege und er erklärte mir noch, wo ich umsteigen musste. Ohne seine Hilfe wäre ich an diesem Tag vermutlich deutlich länger unterwegs gewesen.
An der Zielstation wartete dann gleich die nächste Überraschung. Um den Bahnhof zu verlassen, brauchte man eigentlich wieder eine Chipkarte für die Drehkreuze und die hatte ich natürlich nicht. Wieder halfen mir einige freundliche Brasilianer weiter. Mit Händen, Füßen und dem Google Übersetzer erklärten sie mir schließlich, dass an Sonntagen sämtliche Metro- und Zugverbindungen in São Paulo kostenlos sind. Ich hätte also gar kein Ticket kaufen müssen. Es fehlte lediglich die Chipkarte zum Öffnen der Schranke, sodass mich kurzerhand jemand durchließ und mir anschließend noch den Weg zum Hostel erklärte.
Vor der Station bekam ich meinen ersten Eindruck von Brasilien. Auf der großen Straße herrschte reges Treiben. Viele Menschen waren unterwegs, Straßenstände hatten geöffnet und überall schien man sich auf das Fußballspiel zu freuen. Als ich jedoch in die kleineren Seitenstraßen Richtung Hostel abbog, änderte sich die Stimmung schlagartig. Niemand war unterwegs, überall lag Müll herum und über den Straßen verliefen unzählige Strom- und Telefonleitungen, die das etwas unheimliche Bild verstärkten. Das wirkte zunächst etwas ungewohnt. Da mir mehrere Einheimische versichert hatten, dass die Gegend trotzdem als sicher gilt, brachte ich noch die letzten Meter zu meiner Unterkunft hinter mich.


Das Hostel selbst entpuppte sich als eine kleine Überraschung. Es stand komplett unter dem Motto Harry Potter. Überall hingen Bilder der Figuren und kleine Dekorationen aus der Zauberwelt. Zwar gab es ein paar Kleinigkeiten, die nicht ganz perfekt waren. Mein Bett hatte beispielsweise nur auf einer Seite einen Vorhang und warmes Wasser war eher Glückssache, insgesamt machte das Hostel aber einen sehr gemütlichen Eindruck.
Die Besitzer waren ausgesprochen freundlich. Schade war nur, dass sie ausschließlich Portugiesisch sprachen und wir uns deshalb fast nur mit Händen, Füßen und dem Google Übersetzer verständigen konnten.
Mein Zimmer teilte ich mit einem Russen, der glücklicherweise Englisch sprach. Er gab mir einige Tipps, welche Ecken von São Paulo sehenswert sind und welche ich besser meidensollte. Seine Erzählung haben mich etwas geschockt denn es klang, als gäbe es in Sao Paulo keine einzige sichere Ecke.
Mit einer groben Planung für den nächsten Tag und einer ordentlichen Portion Respekt vor der riesigen Stadt fiel ich schließlich müde ins Bett. Mein Brasilien-Abenteuer hatte gerade erst begonnen.
