6.07.2026
Durch den Jetlag und weil ich am Vorabend so früh ins Bett gegangen war, begann der Tag schon vor Sonnenaufgang. Die zusätzliche Zeit nutzte ich, um noch etwas an meiner weiteren Reise zu planen. Pünktlich um sieben Uhr stand ich schließlich vor dem Supermarkt, als dieser öffnete.
Dort kam allerdings direkt der erste Schreck des Tages. Meine Karte wurde nicht akzeptiert und Bargeld hatte ich immer noch keines. Also ließ ich meinen Einkauf zurück und machte mich auf die Suche nach einem Geldautomaten. Das stellte sich schwieriger heraus als gedacht. Laut Google sollte es mehrere Banken in der Nähe geben, doch entweder existierten sie nicht oder ich fand sie einfach nicht.
Also begann ich, die Security-Mitarbeiter vor den Geschäften nach dem Weg zu fragen. Englisch sprach allerdings so gut wie niemand und selbst mit dem Google Übersetzer kam ich nicht wirklich weiter. Nach einer guten Stunde des herumirrens landete ich schließlich in einem Bürogebäude, das ich wegen des Namens zunächst für eine Bank gehalten hatte. Die Mitarbeiterin am Empfang konnte mir zwar ebenfalls nicht helfen, doch zufällig stand gerade ein englischsprachiger Kunde daneben. Zwei Minuten später zeigte er mir den weg zu den Geldautomaten, den ich die ganze Zeit gesucht hatte. Die Erleichterung war entsprechend groß, als ich endlich Bargeld abheben konnte.
Zurück im Supermarkt funktionierte dann auch der Einkauf problemlos und ich konnte endlich im Innenhof des Hostels frühstücken. Mit knapp 15 Grad war es am Morgen überraschend frisch und ich war froh, vorsichtshalber eine Jacke eingepackt zu haben.
Anschließend machte ich mich zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt. Der Spaziergang dorthin war allerdings wenig spannend. Erst als ich die Altstadt erreichte, änderte sich das Stadtbild – leider nicht unbedingt zum Positiven. Schon mein Zimmernachbar hatte mich vor den vielen Obdachlosen gewarnt und obwohl gefühlt alle paar Meter Polizisten standen, fühlte ich mich nicht sicher.
Mein erstes Ziel war eine wunderschöne Kirche, die sowohl von außen als auch von innen beeindruckend war. Rundherum saßen und schliefen allerdings überall Obdachlose. Eigentlich wollte ich noch den angrenzenden Park besuchen, entschied mich nach einem kurzen Blick hinein aber dagegen und setzte meinen Weg lieber fort.






Die Altstadt selbst war mit ihren alten Gebäuden eigentlich sehr schön. Trotzdem konnte ich sie kaum genießen.







Kurz bevor ich die Altstadt verließ, erlebte ich dann noch eine Situation, die mich ziemlich schockierte. Ein Mann stürzte auf dem Gehweg und wurde im nächsten Moment von einem Hund gebissen, der einem Obdachlosen gehörte. Ein Polizist griff sofort ein und der Hund ließ wieder los, dennoch hatte der Mann eine sichtbare Bisswunde am Arm. Spätestens da war meine Lust auf die Innenstadt endgültig verschwunden.
Zum Glück änderte sich die Stimmung komplett, als ich mit dem Bus in das Künstlerviertel Beco do Batman fuhr. Schon am Friedhof, an dem ich ausstieg, entdeckte ich beeindruckende Grabstätten und zu meiner Überraschung sogar einige Kolibris. Nur eine Straße weiter begann dann das Viertel mit seinen riesigen Graffitikunstwerken, kleinen Cafés und gemütlichen Läden. Hier machte das Herumlaufen endlich wieder richtig Spaß.










Zum Mittagessen probierte ich ein Restaurant mit Buffet, bei dem das Essen nach Gewicht bezahlt wurde. So konnte ich von vielen verschiedenen Gerichten kleine Portionen probieren, eine perfekte Gelegenheit, die brasilianische Küche etwas kennenzulernen.
Am Nachmittag ging es weiter zu einem großen Park, der mir noch besser gefiel. Überall waren Familien unterwegs, Menschen machten Sport und zwischen den tropischen Pflanzen fühlte sich der Park fast wie ein kleiner Dschungel an. Zum ersten Mal an diesem Tag konnte ich mich richtig entspannen und einfach die Atmosphäre genießen.
Am Abend fuhr ich mit dem Bus zurück zum Hostel und kaufte unterwegs noch eine riesige Maracuja, die überraschend lecker war.
Auch wenn ich an diesem Tag einige wirklich schöne Orte entdeckt hatte, stand meine Entscheidung fest. Ich hatte das Gefühl, die spannendsten Ecken von São Paulo gesehen zu haben, und gleichzeitig fühlte ich mich in der Stadt einfach nicht wohl. Deshalb beschloss ich, meine Reise früher als geplant fortzusetzen und São Paulo bereits am nächsten Tag hinter mir zu lassen.
