Nach meiner Ankunft in Iguazú brachte ich zunächst nur schnell mein Gepäck in die Unterkunft, bevor es direkt wieder zurück zum Busbahnhof ging.

Von dort fuhr ein Bus zum Iguazú-Nationalpark, wo ich mich mit Virag treffen wollte. Sie war bereits am Abend zuvor angekommen und deshalb schon deutlich früher als ich in den Park aufgebrochen.

Schon während meiner Busfahrt hatte sie mich per Nachricht vor einer langen Schlange am Ticketschalter gewarnt, und sie sollte leider recht behalten. Fast eine Stunde musste ich warten, bis ich endlich den Park betreten konnte. Danach ging es für mich im Eiltempo an den ersten Wasserfällen vorbei. Virag hatte mir ungefähr beschrieben, welchen Weg sie nehmen würde, damit wir uns irgendwo im Park treffen konnten. Bei den Menschenmassen, die an diesem Tag unterwegs waren, hatte ich allerdings wenig Hoffnung, dass das tatsächlich funktionieren würde. Umso überraschter war ich, als sie plötzlich wie aus dem Nichts neben mir stand. Manchmal hat man eben doch Glück.



Von da an erkundeten wir den Nationalpark gemeinsam. Schon nach den ersten Metern wurde klar, dass sich der Besuch absolut gelohnt hatte. Allerdings hatte es einige Tage zuvor einen heftigen Sturm mit außergewöhnlich starken Regenfällen gegeben. Das hatte gleich zwei Folgen: Die berühmteste Aussichtsplattform des Parks, die Garganta del Diablo, war wegen Überflutung gesperrt und damit für Besucher nicht zugänglich. Gleichzeitig sorgten die enormen Wassermassen aber dafür, dass die Wasserfälle noch beeindruckender waren als gewöhnlich. Aus den vielen einzelnen Wasserfällen war an vielen Stellen ein gewaltiger, zusammenhängender Wasservorhang geworden, dessen Kraft man schon aus großer Entfernung hören konnte.
Als dann auch noch die Sonne zwischen den Wolken hervorkam, wurde der Tag endgültig perfekt. Überall dort, wo die Gischt in der Luft hing, entstanden leuchtende Regenbögen. Das Zusammenspiel aus den tosenden Wassermassen, den bunten Farben und der üppigen Vegetation bildete ein beeindruckendes Bild.










Neben den Wasserfällen hatten wir allerdings noch ein ganz anderes Ziel: Wir wollten unbedingt einen Tukan sehen. Den ganzen Tag hielten wir die Augen offen. Stattdessen begegneten uns Nasenbären, Affen, Eidechsen, unzählige Schmetterlinge und viele andere exotische Vögel. Je näher wir dem Ausgang kamen, desto mehr hatten wir uns allerdings schon damit abgefunden, dass es an diesem Tag wohl nichts mehr werden würde.
Doch genau auf den letzten Metern hatten wir plötzlich unglaubliches Glück. Drei Tukane flogen direkt über unsere Köpfe hinweg und landeten in einem Baum nur wenige Meter von uns entfernt. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Als wir uns schließlich doch losreißen konnten und weitergingen, hatte das Schicksal offenbar noch eine letzte Überraschung für uns parat. In einem weiteren Baum entdeckten wir eine ganze Tukanfamilie mit mindestens vier Vögeln. Besser hätte unser Tag kaum enden können.


Glücklich und völlig überwältigt von den Eindrücken fuhren wir zurück zum Hostel. Dort konnte ich endlich den Staub und Schweiß der langen Busreise abwaschen, bevor wir gemeinsam etwas essen gingen. In der Hoffnung, nach den vergangenen Tagen endlich einmal etwas Frisches zu essen, bestellte ich einen Gemüse-Wrap. Meine Erwartungen wurden allerdings schnell enttäuscht. Der Wrap bestand gefühlt zu achtzig Prozent aus Salat und war ansonsten mit einem undefinierbaren Gemüsebrei gefüllt. Naja, Vitamine sind schließlich Vitamine, und immerhin war es mal kein Fleisch.
Zurück im Hostel machte sich die lange Anreise dann doch bemerkbar. Während Virag noch mit anderen Reisenden ins Gespräch kam und neue Kontakte knüpfte, zog ich mich recht früh ins Bett zurück. Damit ging mein erster Tag in Iguazú zu Ende.
