Potosi, 15.08.2026

Nach einem unglaublich leckeren Frühstück ging es zusammen mit Viktor ab in die Mine. Wir bekamen professionelle Ausrüstung zur Verfügung gestellt, eine Einweisung, wie das Sprengen in der Mine funktioniert, und kauften, wie es die Tradition vorsah, Geschenke für die Minenarbeiter. Anschließend wurden wir zur Mine gefahren.

Und es war wirklich spektakulär und erschreckend zugleich.

Da die Mine immer noch in Betrieb war, konnten wir den Arbeitern bei ihrer Arbeit zusehen. Unser Tourguide erklärte uns, wie die Arbeit und die Bezahlung funktionierten, und wir konnten selbst tief in die Mine hineingehen.

So stark wie nie zuvor seit Beginn der Reise wurde mir bewusst, wie glücklich ich mich schätzen konnte, unter so privilegierten Bedingungen geboren worden zu sein. Die Menschen, die in der Mine arbeiteten, hatten laut unserem Guide eine Lebenserwartung von gerade einmal 55 Jahren. Er selbst hatte 18 Jahre lang in der Mine gearbeitet und erzählte uns, dass allein in seiner Sektion sechs Menschen ums Leben gekommen und unzählige weitere schwer verletzt worden waren.

Und trotz der fehlenden Sicherheitsvorkehrungen und des enormen Risikos war die Arbeit in der Mine eine der beliebtesten Beschäftigungen, weil sie, zumindest für bolivianische Verhältnisse, vergleichsweise gut bezahlt wurde. Die Arbeitsbedingungen waren wirklich erschreckend und erinnerten trotz der Bezahlung teilweise an Sklaverei. Ein bedrückender Gedanke.

Während der Führung wurde uns nicht nur die Arbeit der Minenarbeiter nähergebracht, sondern auch ihre Kultur. Sie verehren Pachamama, also Mutter Erde, und der Monat August wird traditionell genutzt, um der Erde Opfergaben darzubringen. Dazu gehören unter anderem Alkohol, Zigaretten und Coca, aber auch frisch vor Ort geschlachtete Lamas.

Apropos Alkohol, Zigaretten und Coca: Kein Minenarbeiter ging nüchtern zur Arbeit. Sie nutzten Alkohol, Zigaretten und Coca-Blätter, um benebelt in die Mine zu gehen. Da unser Tourguide selbst 18 Jahre lang in der Mine gearbeitet hatte, war auch er alkoholabhängig. Er versuchte uns zu erklären, inwiefern es tatsächlich besser sei, angetrunken zu arbeiten, doch keiner von uns konnte das wirklich nachvollziehen.

Alles in allem war es eine unglaublich interessante, aber gleichzeitig auch sehr erschreckende Führung. Sie hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, unter welchen Bedingungen manche Menschen arbeiten müssen und wie selbstverständlich wir viele unserer eigenen Privilegien nehmen.

Wieder im Hostel angekommen, wuschen wir uns erst einmal den Staub der Mine ab. Anschließend ging es für mich noch einmal in die Stadt, denn dort fand gerade ein Kinderkarneval statt. Eine wirklich süße Veranstaltung, die einen starken Kontrast zu den Eindrücken aus der Mine bildete.

Am Abend kochten Zoe und ich uns noch Pasta, und damit ging ein weiterer ereignisreicher Tag zu Ende.