Buenos Aires 3

18.07.2026

Nachdem ich das Gefühl hatte, inzwischen fast alles Sehenswerte in Buenos Aires entdeckt zu haben, ließ ich den Samstag deutlich entspannter angehen. Mein einziges großes Ziel für den Tag war es, endlich ein schönes Lederportemonnaie zu finden, schließlich ist Argentinien für seine Lederwaren bekannt.

Zunächst machte ich mich auf den Weg ins Lederviertel, in der Hoffnung, dort fündig zu werden. Die Auswahl war zwar groß, wirklich überzeugen konnte mich allerdings keines der Portemonnaies. Also setzte ich meine Suche auf verschiedenen Märkten fort. Auch dort gab es zahlreiche Stände mit Lederwaren und Kunsthandwerk, doch so richtig zufrieden war ich mit keinem der Modelle. Ganz umsonst war der Ausflug aber trotzdem nicht. Auf einem der Märkte sah ich Tangotänzer, die mitten zwischen den Marktständen ihre Choreografien präsentierten.

Für den Abend hatte ich bereits eine Tangoshow gebucht. Ganz nach argentinischer Tradition begann die Veranstaltung natürlich erst relativ spät. Das Warten hatte sich jedoch mehr als gelohnt. Die Show war wunderschön und verband Livemusik, Gesang und beeindruckende Tanzeinlagen zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Nach einem Glas Wein im Hostel, das mich nach dem langen Tag wieder etwas munter machte, beschlossen wir, einem weiteren Club eine Chance zu geben. Dieses Mal ging es ins Kika.

Leider konnte der Abend dort aber nicht mit den vorherigen Erlebnissen mithalten. Die Musik war für meinen Geschmack viel zu laut, sodass man sich kaum unterhalten konnte, und der Club war so voll, dass an richtiges Tanzen kaum zu denken war. Da außerdem die Musik nicht so recht zu unserer Stimmung passte, blieben wir nicht besonders lange und machten uns schon bald wieder auf den Heimweg.

So endete auch dieser Samstag.

Buenos Aires 2

17.07.2026

Nachdem wir am Vortag einen guten Überblick über die Geschichte Argentiniens und Buenos Aires‘ bekommen hatten, stand am nächsten Morgen eine Führung durch La Boca auf dem Programm. Charles und Jannik entschieden sich nach der langen Nacht im Club lieber für etwas mehr Schlaf, sodass schließlich nur Romeo und ich gemeinsam mit Dante loszogen.

Unser Weg führte zunächst durch San Telmo, eines der ältesten Viertel der Stadt. Dort besuchten wir einen kleinen Markt mit handgefertigten Produkten und zahlreichen Kunsthandwerksständen. Anschließend ging es weiter Richtung La Boca.

Unterwegs machten wir Halt in einem Park, in dem uns eine ganze Meute argentinischer Hunde begrüßte. Im selben Park lebten außerdem zahlreiche grüne Papageien, deren Nester hoch oben in den Bäumen zu sehen waren. Leider hatten die Vögel offenbar wenig Interesse daran, für ein Foto still sitzen zu bleiben.

Nachdem wir noch an einer Moschee und einigen weiteren Sehenswürdigkeiten vorbeigekommen waren, erreichten wir schließlich La Boca. Schon von Weitem war das Stadion der Boca Juniors zu sehen, das wir zumindest von außen bestaunen konnten. Kurz darauf standen wir endlich in den berühmten bunten Gassen, die man von so vielen Bildern kennt. Die farbenfrohen Häuser und Straßenmusiker sorgten sofort für genau die Atmosphäre, die man sich von diesem Stadtteil erhofft.

Natürlich durfte auch eine kulinarische Pause nicht fehlen. Bei einer kleinen Stärkung genossen wir die besondere Atmosphäre, bevor wir weiter durch das touristische Viertel schlenderten. Zwischen den zahlreichen Souvenirläden fanden sich immer wieder kleine Ateliers und Galerien. In einer etwas versteckten Ecke konnten wir sogar einer Künstlerin direkt bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.

Am Hafen endete schließlich unsere Tour. Bevor Dante sich verabschiedete, gab er uns jedoch noch eine eindringliche Warnung mit auf den Weg. Die bunten Straßen von La Boca enden nämlich erstaunlich abrupt. Nur wenige Häuserblocks weiter beginnen Viertel, in denen Touristen besser nicht unterwegs sein sollten. Es war beeindruckend zu sehen, wie nah touristische Sehenswürdigkeiten und soziale Brennpunkte in Buenos Aires beieinanderliegen.

Von dort aus machten sich die meisten wieder auf den Weg zum Hostel. Ich hingegen wollte die Gelegenheit nutzen und im Lederviertel nach einem typisch argentinischen Lederportemonnaie suchen. Der Feierabendverkehr machte mir jedoch einen Strich durch die Rechnung. Die Straßen waren völlig verstopft, und der Bus kam nur im Schritttempo voran. Da ich unbedingt rechtzeitig zum um 17 Uhr geplanten Mate-Tasting im Hostel zurück sein wollte, stieg ich schließlich deutlich früher aus und machte mich zu Fuß auf den Rückweg.

Gerade noch pünktlich erreichte ich das Hostel. Dort lernten wir, wie Mate traditionell zubereitet wird, wie man ihn richtig trinkt und welche kleinen Benimmregeln dabei dazugehören. Der erste Schluck war ehrlich gesagt ziemlich gewöhnungsbedürftig. Mit etwas Zucker schmeckte der Mate allerdings überraschend gut. Dazu wurden kleine argentinische Croissants serviert, die, wie gefühlt fast alles in Argentinien, ausgesprochen süß waren.

Am Abend gingen Charles und ich schließlich noch gemeinsam Steak essen. Das Essen war einfach fantastisch. Das Steak war hervorragend zubereitet und wahrscheinlich eines der besten, das ich je gegessen habe. Allerdings hatte ich die Größe der Portion völlig unterschätzt. Ich schaffte nicht einmal ein Drittel, bevor ich aufgeben musste und mir den Rest einpacken ließ.

Eigentlich wollte ich danach nur einen kurzen Mittagsschlaf machen. Aus dem geplanten Nickerchen wurde allerdings ein sehr frühes Zubettgehen. Nach den kurzen Nächten der vergangenen Tage war ich einfach zu erschöpft, um noch einmal aufzustehen.

Buenos Aires 1

16.07.2026

Das Hostel bot jeden Tag verschiedene geführte Touren an, und für den Donnerstag stand eine sogenannte Downtown Walking Tour auf dem Programm. Jannik entschied sich, diese auszulassen, da er nach dem langen Vortag noch ziemlich müde war. Charles und ich schlossen uns dagegen der Tour an und machten uns gemeinsam mit unserem Guide Dante und Romeo, einem auf den Philippinen geborenen, inzwischen aber in Oslo lebenden Teilnehmer, auf den Weg in die Innenstadt.

Auch wenn der Name etwas anderes vermuten ließ, handelte es sich bei der Tour eigentlich weniger um einen Spaziergang als vielmehr um eine spannende Geschichts- und Kulturführung. Während wir an historischen Gebäuden, Kirchen und bedeutenden Plätzen vorbeikamen, erzählte Dante von der Gründung Buenos Aires‘, der Entwicklung Argentiniens und den Ereignissen, die das Land bis heute prägen. Besonders beeindruckend und gleichzeitig erschreckend war für mich, wie jung viele der dunklen Kapitel der argentinischen Geschichte eigentlich noch sind. Nach einer vergleichsweise kurzen wirtschaftlichen Blüte scheint sich das Land heute erneut in einer schwierigen Phase zu befinden, und viele der politischen und gesellschaftlichen Probleme sind noch immer deutlich spürbar.

Wir besichtigten die älteste Kirche der Stadt, die erste Buchhandlung und eine weitere Kirche, in der der spätere Papst Franziskus als Kardinal predigte. Vor dem berühmten rosafarbenen Regierungsgebäude erzählte uns Dante außerdem den Mythos, dass für den Anstrich einst nicht genügend weiße Farbe vorhanden gewesen sei und diese deshalb mit Rinderblut vermischt wurde, ob die Geschichte tatsächlich stimmt oder nicht, ließ er offen. Fast an jeder Straßenecke, an jedem Gebäude oder jeder Gedenktafel gab es jedoch eine weitere Geschichte zu erzählen. Manche reichten mehrere Jahrhunderte zurück, andere lagen gerade einmal fünfzig Jahre in der Vergangenheit.

Zur Mittagszeit legten wir eine Pause ein und probierten ein klassisch argentinisches Sandwich, das wir in einem kleinen Park aßen. Während eine zutrauliche Katze um uns herumschlich, nutzten wir die Gelegenheit, Dante noch mit einigen Fragen zu löchern und mehr über das Leben in Argentinien zu erfahren. Anschließend endete die Führung.

Da wir uns ohnehin in der Nähe eines großen Parks befanden, beschlossen Charles, Romeo und ich, den Nachmittag dort zu verbringen. Die riesige Grünanlage lag direkt am Río de la Plata. Von dort aus konnte man die Fähren beobachten, die nach Uruguay ablegten, während sich mitten im Park ein weitläufiges Feuchtgebiet erstreckte, das zahlreichen Vögeln und anderen Tieren als Lebensraum diente. Besonders beeindruckend war der Blick über das Moor hinweg auf die Skyline von Buenos Aires. Nachdem wir die Aussicht genossen und dabei unter anderem eine neugierige Gans beobachtet hatten, machten wir uns schließlich auf den Rückweg zum Hostel.

Dort stand am Abend ein Language Exchange auf dem Programm. An verschiedenen Tischen kamen Menschen zusammen, um sich in unterschiedlichen Sprachen zu unterhalten. Für mich bedeutete das vor allem, mich mit meinem noch ziemlich holprigen Spanisch durchzuschlagen. Trotzdem machte es großen Spaß.

Nach einigen Drinks beschlossen wir schließlich, den Tag mit einem Besuch im Club Sticky abzurunden. Dort waren wir die einzigen Touristen und verbrachten den Rest der Nacht gemeinsam mit jungen Leuten aus Buenos Aires auf der Tanzfläche. Gespielt wurde hauptsächlich Reggaeton, und obwohl der Club eher klein war, herrschte genau die richtige Atmosphäre: belebt, aber nicht überfüllt. Anders als in vielen Clubs hatte man tatsächlich genug Platz, um richtig zu tanzen, statt sich nur langsam durch die Menschenmenge zu schieben. So feierten wir bis in die frühen Morgenstunden und erlebten einen Abend, der sich deutlich authentischer anfühlte als jeder Touristen-Hotspot.

Rio de Jenero – Buenos Aires

15.07.2026

Die Fahrt vom Flughafen zum Hostel verlief völlig problemlos. Dort angekommen lernte ich schon beim Einchecken einen weiteren Deutschen namens Jannik kennen. Da es noch zu früh war, um unser Zimmer zu beziehen, ließen wir unser Gepäck im Hostel und machten uns direkt auf den Weg, um einen ersten Eindruck von Buenos Aires zu gewinnen.

Unsere Tour führte uns vorbei an urigen Statuen und einem historisch bedeutsamen Ort, von dessen Bedeutung wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nichts ahnten. Ohne ein festes Ziel zu haben, schlenderten wir durch die Straßen, bis wir schließlich in einem kleinen, gemütlichen Café landeten. Dort gönnten wir uns unsere erste Pause und stärkten uns für den weiteren Tag.

Frisch erholt setzten wir unseren Spaziergang fort und kamen dabei an einer eher kleinen Demonstration vorbei. Eigentlich wollten wir zu einer typisch argentinischen Imbissbude, doch der Weg dorthin gestaltete sich schwieriger als erwartet. Zahlreiche Straßen waren durch Polizeibarrieren gesperrt, und überall waren Polizei, Militär und verschiedenste Sicherheitskräfte unterwegs. Erst als wir schließlich unser Ziel erreichten, erfuhren wir den Grund dafür: Die Demonstration findet dort zwar jede Woche statt, doch an diesem Tag waren deutlich weniger Menschen auf den Straßen, weil zeitgleich das Fußballspiel Argentinien gegen England stattfand.

Nach einem leckeren Mittagessen, das allerdings weniger typisch argentinisch ausfiel als erhofft, machten wir uns wieder auf den Rückweg zum Hostel, um das Spiel nicht zu verpassen. Dort lernten wir auch Charles kennen, einen Amerikaner, der ebenfalls im Hostel wohnte. Gemeinsam beschlossen wir, zum Fanfest zu gehen, einem großen Public Viewing in der Nähe des Flughafens.

Schon lange vor dem Anpfiff war die Stimmung überwältigend. Überall sah man Menschen mit argentinischen Flaggen, Trikots und Schals, und die Vorfreude war förmlich greifbar. Ich bin zwar eigentlich überhaupt kein Fußballfan, aber allein diese Atmosphäre war es wert, dabei zu sein. England anzufeuern wäre in diesem Moment vermutlich keine besonders gute Idee gewesen.

Als Argentinien schließlich gewann, verwandelte sich die ganze Stadt in eine einzige riesige Feier. Menschenmassen strömten jubelnd durch die Straßen, kletterten auf Autodächer und schwenkten argentinische Flaggen. Die Autos hupten im Takt der Fangesänge, und selbst die fahrenden Busse wippten auf und ab, weil die Fans darin ausgelassen feierten. Überall wurde gesungen und gejubelt, eine Stimmung, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte. Obwohl ich mit Fußball sonst kaum etwas anfangen kann, war dieses Erlebnis einfach unglaublich und wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

Da weder Jannik noch ich in der Nacht zuvor geschlafen hatten, waren wir nach diesem ereignisreichen ersten Tag völlig erschöpft. So ging unser erster Tag in Buenos Aires schließlich zu Ende, voller neuer Eindrücke, unerwarteter Begegnungen und einer Atmosphäre, die kaum besser hätte sein können.

Rio de Jenero 4

14.07.2026

Nach einem entspannten Frühstück machte ich mich gemeinsam mit Luis aus Spanien, den ich am Vorabend im Hostel kennengelernt hatte, auf den Weg in die Innenstadt von Rio.

Unser erstes Ziel war eines der bekanntesten Museen der Stadt. Von außen war das Gebäude wirklich beeindruckend. Auf einen Besuch verzichteten wir allerdings, da sich die Ausstellung eher an Kinder richtete und viele interaktive Stationen zum Entdecken der Natur und Wissenschaft bot.

Anschließend schlenderten wir noch einmal durch die Straßen, in denen wir am Abend zuvor gefeiert hatten. Tagsüber wirkte alles völlig anders. Die Musik und die Menschenmassen waren verschwunden und stattdessen zeigte sich das Viertel von seiner alltäglichen Seite. Genau das machte den Charme aber aus. Die Häuser wirkten teilweise etwas heruntergekommen, gleichzeitig hatte die Gegend eine unglaublich authentische Atmosphäre. Es fühlte sich an wie das Rio, das die Einheimischen erleben und nicht nur die Touristen.

Zum Mittagessen teilten wir uns ein typisch brasilianisches Grillgericht mit verschiedenen Fleischsorten, Pommes und Salat. Einfach, aber richtig lecker.

Da Luis sich erst von einer Blinddarmoperation erholte, wollte er es anschließend etwas ruhiger angehen lassen. Deshalb trennten sich unsere Wege und ich machte mich alleine noch einmal auf den Weg durch Rio.

Unterwegs schaute ich mir das beeindruckende Aquädukt an und besuchte die moderne Kathedrale von Rio de Janeiro. Von außen wirkt sie fast wie eine riesige Pyramide, innen beeindruckt sie vor allem durch die hohen bunten Glasfenster. Danach führte mich mein Weg noch zur berühmten, bunt gefliesten Treppe. Zwar war sie, wie erwartet, voller Touristen, trotzdem war sie mit ihren unzähligen Fliesen aus aller Welt wirklich sehenswert.

Da ich bereits am Morgen ausgecheckt hatte, holte ich anschließend nur noch meinen Rucksack im Hostel ab und machte mich auf den Weg zum Flughafen. Mein Flug nach Argentinien sollte bereits am nächsten Morgen sehr früh starten und da das Boarding schon gegen fünf Uhr begann, wollte ich mir den nächtlichen Weg durch die Stadt lieber ersparen.

So endete mein Aufenthalt in Brasilien schließlich auf dem Flughafen von Rio de Janeiro. Dort hatte ich endlich genügend Zeit, alle liegengebliebenen Blogeinträge nachzuholen.