Iguazu, 23.07.2026

Nach meiner Ankunft in Iguazú brachte ich zunächst nur schnell mein Gepäck in die Unterkunft, bevor es direkt wieder zurück zum Busbahnhof ging.

Von dort fuhr ein Bus zum Iguazú-Nationalpark, wo ich mich mit Virag treffen wollte. Sie war bereits am Abend zuvor angekommen und deshalb schon deutlich früher als ich in den Park aufgebrochen.

Schon während meiner Busfahrt hatte sie mich per Nachricht vor einer langen Schlange am Ticketschalter gewarnt, und sie sollte leider recht behalten. Fast eine Stunde musste ich warten, bis ich endlich den Park betreten konnte. Danach ging es für mich im Eiltempo an den ersten Wasserfällen vorbei. Virag hatte mir ungefähr beschrieben, welchen Weg sie nehmen würde, damit wir uns irgendwo im Park treffen konnten. Bei den Menschenmassen, die an diesem Tag unterwegs waren, hatte ich allerdings wenig Hoffnung, dass das tatsächlich funktionieren würde. Umso überraschter war ich, als sie plötzlich wie aus dem Nichts neben mir stand. Manchmal hat man eben doch Glück.

Von da an erkundeten wir den Nationalpark gemeinsam. Schon nach den ersten Metern wurde klar, dass sich der Besuch absolut gelohnt hatte. Allerdings hatte es einige Tage zuvor einen heftigen Sturm mit außergewöhnlich starken Regenfällen gegeben. Das hatte gleich zwei Folgen: Die berühmteste Aussichtsplattform des Parks, die Garganta del Diablo, war wegen Überflutung gesperrt und damit für Besucher nicht zugänglich. Gleichzeitig sorgten die enormen Wassermassen aber dafür, dass die Wasserfälle noch beeindruckender waren als gewöhnlich. Aus den vielen einzelnen Wasserfällen war an vielen Stellen ein gewaltiger, zusammenhängender Wasservorhang geworden, dessen Kraft man schon aus großer Entfernung hören konnte.

Als dann auch noch die Sonne zwischen den Wolken hervorkam, wurde der Tag endgültig perfekt. Überall dort, wo die Gischt in der Luft hing, entstanden leuchtende Regenbögen. Das Zusammenspiel aus den tosenden Wassermassen, den bunten Farben und der üppigen Vegetation bildete ein beeindruckendes Bild.

Neben den Wasserfällen hatten wir allerdings noch ein ganz anderes Ziel: Wir wollten unbedingt einen Tukan sehen. Den ganzen Tag hielten wir die Augen offen. Stattdessen begegneten uns Nasenbären, Affen, Eidechsen, unzählige Schmetterlinge und viele andere exotische Vögel. Je näher wir dem Ausgang kamen, desto mehr hatten wir uns allerdings schon damit abgefunden, dass es an diesem Tag wohl nichts mehr werden würde.

Doch genau auf den letzten Metern hatten wir plötzlich unglaubliches Glück. Drei Tukane flogen direkt über unsere Köpfe hinweg und landeten in einem Baum nur wenige Meter von uns entfernt. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Als wir uns schließlich doch losreißen konnten und weitergingen, hatte das Schicksal offenbar noch eine letzte Überraschung für uns parat. In einem weiteren Baum entdeckten wir eine ganze Tukanfamilie mit mindestens vier Vögeln. Besser hätte unser Tag kaum enden können.

Glücklich und völlig überwältigt von den Eindrücken fuhren wir zurück zum Hostel. Dort konnte ich endlich den Staub und Schweiß der langen Busreise abwaschen, bevor wir gemeinsam etwas essen gingen. In der Hoffnung, nach den vergangenen Tagen endlich einmal etwas Frisches zu essen, bestellte ich einen Gemüse-Wrap. Meine Erwartungen wurden allerdings schnell enttäuscht. Der Wrap bestand gefühlt zu achtzig Prozent aus Salat und war ansonsten mit einem undefinierbaren Gemüsebrei gefüllt. Naja, Vitamine sind schließlich Vitamine, und immerhin war es mal kein Fleisch.

Zurück im Hostel machte sich die lange Anreise dann doch bemerkbar. Während Virag noch mit anderen Reisenden ins Gespräch kam und neue Kontakte knüpfte, zog ich mich recht früh ins Bett zurück. Damit ging mein erster Tag in Iguazú zu Ende.

Buenos Aires, 22.07.2026

Am Mittwoch hieß es schließlich Abschied nehmen von Buenos Aires. Sowohl für Virág als auch für mich stand die Weiterreise nach Iguazú an, allerdings auf ganz unterschiedliche Weise. Während Virág den deutlich schnelleren Weg mit dem Flugzeug wählte, hatte ich mich für die deutlich günstigere, aber auch wesentlich längere Busfahrt entschieden.

Da unsere Abreise erst am Nachmittag geplant war, nutzten wir die verbleibende Zeit gemeinsam mit Charles und Manuela, um noch ein letztes Mal nach La Boca zu fahren. Ganz bewusst ließen wir es an diesem Vormittag ruhig angehen. Wir schlenderten noch einmal durch die Straßen, genossen die entspannte Atmosphäre und ließen die vergangenen Tage Revue passieren. Anschließend spazierten wir gemeinsam zurück durch die Innenstadt, bevor es schließlich Zeit wurde, sich zu verabschieden.

Mit meinem Rucksack machte ich mich auf den Weg zum Busbahnhof, wo bereits der Fernbus nach Iguazú auf mich wartete. Die Fahrt sollte ganze 18 Stunden dauern, eine Zeit, die zunächst ziemlich abschreckend klang. Da es jedoch ohnehin schon ein anstrengender Reisetag gewesen war, beschloss ich direkt nach der Abfahrt, einfach schlafen zu gehen. Im Nachhinein war das definitiv die richtige Entscheidung. Statt jede Minute der langen Busfahrt mitzuerleben, verschlief ich rund 13 der 18 Stunden und hatte das Gefühl, deutlich schneller an meinem nächsten Reiseziel anzukommen.

So endete mein Aufenthalt in Buenos Aires. Die Stadt hatte mich mit ihrer bewegten Geschichte, den unterschiedlichen Stadtvierteln, dem allgegenwärtigen Fußballfieber, ihrer Kultur und vor allem mit den vielen Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, nachhaltig beeindruckt. Nun wartete mit den Iguazú-Wasserfällen bereits das nächste Abenteuer auf mich.

Buenos Aires, 21.07.2026

Am Dienstag machten Virag und ich uns schließlich gemeinsam auf den Weg nach Chinatown. Der Spaziergang dorthin war fast interessanter als das eigentliche Ziel. Unterwegs kamen wir an einer beeindruckenden Bibliothek vorbei, die früher einmal ein Theater gewesen war und deren prachtvolle Architektur noch heute an diese Zeit erinnert. Natürlich durfte auch eine kleine Pause nicht fehlen. In einer Eisdiele probierten wir klassisches argentinisches Eis, das seinem guten Ruf absolut gerecht wurde und wirklich hervorragend schmeckte.

Eigentlich hatten wir auch überlegt, den berühmten Friedhof Recoleta zu besuchen. Da der Eintritt allerdings überraschend teuer war und wir die meisten der dort begrabenen Persönlichkeiten ohnehin nicht kannten, entschieden wir uns dagegen. Stattdessen begnügten wir uns mit einem Blick und einem Foto von außen und setzten unseren Weg fort. Nach einem stärkenden Kaffee ging es schließlich weiter nach Chinatown.

Dort angekommen waren wir allerdings etwas enttäuscht. Das Viertel war zwar nett anzusehen und bot mit seinen Torbögen, asiatischen Geschäften und Restaurants eine ganz andere Atmosphäre als der Rest der Stadt, doch im Grunde bestand Chinatown nur aus zwei Straßen. Da es außerdem den ganzen Nachmittag regnete, hatten wir das Viertel schon nach wenigen Minuten erkundet und machten uns wieder auf den Rückweg zum Hostel.

Dort erwartete uns eine deutlich größere Überraschung. Zum ersten Mal trafen wir die anderen Frauen, mit denen wir uns das Zimmer teilten, und verstanden uns auf Anhieb richtig gut. Manuela aus Kolumbien hatte noch etwas Wein übrig, den sie großzügig mit uns teilte, und so saßen wir den restlichen Abend zusammen.

Später wechselten wir gemeinsam in den Gemeinschaftsraum des Hostels, wo wir noch einige Runden Billard spielten. Die Zeit verging dabei wie im Flug, bis schließlich Mitternacht näher rückte. Genau um zwölf feierten wir in Manuelas Geburtstag hinein. Mit vereinten Kräften konnten wir den Hostel-Volunteer sogar noch rechtzeitig überzeugen, ein Geburtstagslied in die Playlist aufzunehmen. So wurde aus einem eigentlich ganz gewöhnlichen Abend doch noch eine kleine Geburtstagsfeier. Und damit ging ein weiterer schöner Tag in Buenos Aires in bester Gesellschaft zu Ende.

Buenos Aires, 20.07.2026

Am Montag hieß es schließlich Abschied nehmen. Jannik und ich checkten gemeinsam aus unserem Hostel aus, bevor sich unsere Wege trennten. Für ihn ging es weiter nach Salta, während ich lediglich das Hostel wechselte. Charles war bereits einige Tage zuvor in ein günstigeres Hostel umgezogen und hatte es mir empfohlen, weshalb ich nun ebenfalls dorthin wechseln wollte.

Bevor wir uns verabschiedeten, gingen Jannik, zwei Freunde, die er erst in der Nacht zuvor kennengelernt hatte, und ich noch gemeinsam in ein kleines Büchercafé frühstücken. Zwischen Bücherregalen und dem Duft von frischem Kaffee genossen wir das leckere Essen, danach trennten sich unsere Wege endgültig.

Anschließend machte ich mich auf den Weg zum Busbahnhof. Ich hoffte, dort günstige Bustickets für meine Weiterreise zu den Iguazú-Wasserfällen zu bekommen. Der Weg dorthin führte mich durch mehrere kleine Parks und vorbei an den beeindruckenden alten Gebäuden der Stadt. Eigentlich hatte ich vor, den Spaziergang noch etwas auszudehnen, doch das Wetter spielte leider nicht mit. Immer wieder setzte Regen ein, sodass ich meine Pläne kurzerhand änderte und direkt zu meinem neuen Hostel weiterlief.

Dort angekommen lernte ich Virag kennen. Sie stammt ursprünglich aus Ungarn, hatte aber in den Niederlanden studiert und war ebenfalls auf Reisen durch Südamerika. Schnell kamen wir ins Gespräch und beschlossen, gemeinsam etwas essen zu gehen. Dabei unterhielten wir uns über unsere bisherigen Reiseerlebnisse und unsere Pläne für die kommenden Wochen. Bevor wir uns für den Abend verabschiedeten, verabredeten wir uns bereits für den nächsten Tag. Gemeinsam wollten wir Chinatown erkunden.

Buenos Aires, 19.07.2026

Nach den ereignisreichen Tagen zuvor verlief der Sonntag noch ruhiger als der Samstag. Den größten Teil des Tages verbrachte ich damit, meine Weiterreise zu planen, Unterkünfte zu buchen und die nächsten Stationen meiner Reise zu organisieren.

Am Nachmittag stand schließlich das Fußballfinale an. Dieses Mal beschloss ich, das Spiel ganz entspannt im Hostel anzuschauen. Schon lange vor dem Anpfiff füllte sich der Gemeinschaftsraum, bis schließlich kaum noch ein Platz frei war. Die Stimmung war gespannt und voller Vorfreude, doch mit jeder Minute des Spiels wurde sie etwas gedrückter. Als Argentinien schließlich verlor, machte sich im ganzen Hostel Enttäuschung breit. Nach den ausgelassenen Feierlichkeiten nach dem Sieg gegen England war der Kontrast kaum größer vorstellbar.

Erst am nächsten Tag erfuhr ich, dass sich trotz der Niederlage zahlreiche Menschen am Obelisken, dem wohl bekanntesten Wahrzeichen von Buenos Aires, versammelt hatten. Zunächst war ich etwas enttäuscht, dass ich davon nichts mitbekommen hatte und die Atmosphäre verpasst hatte. Dieses Gefühl hielt allerdings nicht lange an. Kurz darauf erfuhr ich nämlich, dass die Feier schließlich von der Polizei mit Gummigeschossen und Tränengas aufgelöst worden war. In diesem Moment war ich ehrlich gesagt ziemlich froh, den Abend im Hostel verbracht zu haben.