Paraty 1

08.07.2026

Vermutlich machte sich der Jetlag immer noch bemerkbar, denn ich war erneut schon früh wach. Die ruhigen Morgenstunden nutzte ich wieder, um meine weitere Reise zu planen, bevor ich zum Frühstück ging.

Das Frühstück im Hostel war inklusive und wirklich richtig lecker. Es gab ein kleines Buffet mit Brötchen, Kuchen, süßem Aufstrich und einigen weiteren typisch brasilianischen Kleinigkeiten. Ein richtig schöner Start in den Tag.

Zurück im Zimmer war dann endlich auch meine neue Mitbewohnerin wach. Sie hieß Sophia, kam ebenfalls aus Deutschland und ich fragte sie spontan, ob sie Lust hätte, heute und vielleicht auch am nächsten Tag etwas gemeinsam zu unternehmen. Vor allem die geplante Wanderung wollte ich ungern alleine machen. Zu meiner Freude sagte sie sofort zu.

Gemeinsam machten wir uns zunächst auf den Weg, Paraty weiter zu erkunden. Die Altstadt gefiel mir sogar noch besser als am Vortag. Durch die Flut standen einige der Straßen unter Wasser, wodurch sich die bunten Häuser in den kleinen Gassen spiegelten. Das verlieh dem ohnehin schon wunderschönen Ort noch einmal einen ganz besonderen Charme.

Unser Weg führte uns weiter zu einer alten Festungsanlage. Unterwegs machten wir halt, um einem Fischer zuzusehen. Er zog einige kleinen Fisch aus dem Wasser und warf einige davon auf die Steine. Kurz darauf kamen zahlreiche Vögel angeflogen und schnappten sich ihre Beute. Immer wieder zeigte er auf die Fische und die Vögel und erzählte uns begeistert etwas auf Portugiesisch. Auch wenn ich kein Wort verstand, war es eine richtig schöne Begegnung. Es fühlte sich an, als würde er uns einfach ein Stück seines Alltags zeigen.

Anschließend erkundeten wir die alte Festung. Das kleine Museum dort war zwar interessant, die meisten Informationstafeln waren allerdings nur auf Portugiesisch, sodass wir vieles leider nicht verstehen konnten. Dafür entschädigte die Natur umso mehr. Große Felsen reichten bis ans Wasser und von oben bot sich eine wunderschöne Aussicht auf die Küste.

Von der Festung aus führte außerdem ein kleiner Trampelpfad in den Wald. Es war zwar nur ein kurzer Weg, aber für mich war es der erste richtige Urwald. Überall wuchsen dichte Pflanzen und riesige Lianen hingen zwischen den Bäumen. Natürlich reichte uns der kleine Weg irgendwann nicht mehr und so schlugen wir uns noch ein Stück direkt am Ufer entlang durch die Vegetation. Unterwegs entdeckten wir einen unbekannten Vogel, Affen und ein Eichhörnchen oder etwas ähnliches und genossen einfach die Landschaft. Das Wetter spielte ebenfalls perfekt mit. Es war angenehm warm, aber nicht zu heiß und zwischendurch war ich sogar froh, eine Jacke dabeizuhaben.

Am Nachmittag ging es zurück in die Altstadt, wo wir noch ein wenig durch die Gassen schlenderten. Anschließend kauften wir unser Abendessen und ein paar Snacks für den nächsten Tag. Zurück im Hostel landete unser Abendessen ,die Lasagne, in der Mikrowelle und schmeckten überraschend gut.

Den Abend verbrachten wir schließlich noch im Garten des Hostels. Dort lernten wir eine Frau aus Kolumbien kennen, die eine Zeit lang in Australien gelebt hatte und deshalb sehr gut Englisch sprach. Kurz darauf setzte sich auch noch ihre brasilianische Freundin zu uns. Da sie kaum Englisch konnte, unterhielten wir uns überwiegend auf Spanisch. Für mich war das das erste richtige Gespräch auf Spanisch überhaupt. Ich verstand erstaunlich viel und konnte mich sogar ganz gut verständigen. Das war ein richtig spannender Abschluss eines ohnehin schon sehr schönen Tages.

Sao Paulo – Paraty

07.07.2026

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker wieder in aller Herrgottsfrühe um 5 Uhr Morgens. Es ging weiter nach Paraty, meinem nächsten Reiseziel.

Der frühe Start hatte sogar einen unerwarteten Vorteil. Die Straßen von São Paulo wirkten plötzlich ganz anders als noch am Vortag. Die meisten Obdachlosen schliefen noch, stattdessen waren nur Menschen unterwegs, die auf dem Weg zur Arbeit waren. Obwohl es noch so früh war, war es bereits hell und die Atmosphäre fühlte sich überraschend ruhig und angenehm an.

Den Busbahnhof fand ich ohne Probleme und auch dort lief alles erstaunlich entspannt. Die Busse fuhren mehr oder weniger pünktlich und da Ich sofort Mitreisende nach Paraty fand wusste ich, dass wenn ich den Bus nicht bekommen sollte, ich ihn zumindestens nicht alleine verpassen würde. Und so begann die rund sechsstündige Fahrt nach Paraty ganz ohne Stress.

Die Busfahrt selbst verging schneller als erwartet. Die Sitze waren unglaublich bequem und unterwegs wurde die Landschaft immer tropischer. Immer wieder führte die Straße über Berge oder direkt an der Küste entlang und bot dabei wunderschöne Aussichten. Zwischendurch legten wir zwar eine Pause ein, aber da niemand sagte, wie lange sie dauern würde, traute ich mich nicht weiter vom Bus weg. Während viele andere gemütlich im Restaurant aßen, begnügte ich mich damit, mir kurz die Beine zu vertreten.

In Paraty angekommen, machte ich mich direkt auf den Weg zu meinem Hostel. Schon die ersten Meter durch den Ort machten sofort Lust auf mehr. Alles wirkte deutlich ruhiger und gemütlicher als in São Paulo.

Auch das Hostel überzeugte sofort. Es lag direkt an einem kleinen Fluss, hatte einen wunderschönen Garten und sogar einen kleinen Steg, auf den man sich setzen konnte. Ich war in einem reinen Frauenzimmer untergebracht und kam direkt mit zwei Mädchen aus Island ins Gespräch. Leider reisten die beiden schon am nächsten Tag wieder ab.

Natürlich hielt es mich nicht lange im Hostel und ich machte mich direkt auf den Weg, Paraty zu erkunden. Die Altstadt ist wirklich wunderschön. Zwischen den alten Kolonialhäusern führen die historischen Kopfsteinpflasterstraßen hindurch, die einst von Sklaven verlegt wurden und der Stadt bis heute ihren ganz besonderen Charme verleihen. Dazu kommen der kleine Hafen, die vielen bunten Häuser und die entspannte Atmosphäre, schon nach kurzer Zeit war ich begeistert von diesem Ort.

Als es langsam dunkel wurde, ging ich zurück ins Hostel, kaufte mir noch etwas zu essen und ließ den Abend ganz entspannt ausklingen. Ein bisschen Reiseplanung gehörte natürlich auch wieder dazu.

Kurz vor Mitternacht wurde ich noch einmal wach, weil eine weitere Mitbewohnerin ins Zimmer kam. Ich war allerdings viel zu müde, um mich vorzustellen, das sollte dann erst am nächsten Tag passieren.

Sao Paulo

6.07.2026

Durch den Jetlag und weil ich am Vorabend so früh ins Bett gegangen war, begann der Tag schon vor Sonnenaufgang. Die zusätzliche Zeit nutzte ich, um noch etwas an meiner weiteren Reise zu planen. Pünktlich um sieben Uhr stand ich schließlich vor dem Supermarkt, als dieser öffnete.

Dort kam allerdings direkt der erste Schreck des Tages. Meine Karte wurde nicht akzeptiert und Bargeld hatte ich immer noch keines. Also ließ ich meinen Einkauf zurück und machte mich auf die Suche nach einem Geldautomaten. Das stellte sich schwieriger heraus als gedacht. Laut Google sollte es mehrere Banken in der Nähe geben, doch entweder existierten sie nicht oder ich fand sie einfach nicht.

Also begann ich, die Security-Mitarbeiter vor den Geschäften nach dem Weg zu fragen. Englisch sprach allerdings so gut wie niemand und selbst mit dem Google Übersetzer kam ich nicht wirklich weiter. Nach einer guten Stunde des herumirrens landete ich schließlich in einem Bürogebäude, das ich wegen des Namens zunächst für eine Bank gehalten hatte. Die Mitarbeiterin am Empfang konnte mir zwar ebenfalls nicht helfen, doch zufällig stand gerade ein englischsprachiger Kunde daneben. Zwei Minuten später zeigte er mir den weg zu den Geldautomaten, den ich die ganze Zeit gesucht hatte. Die Erleichterung war entsprechend groß, als ich endlich Bargeld abheben konnte.

Zurück im Supermarkt funktionierte dann auch der Einkauf problemlos und ich konnte endlich im Innenhof des Hostels frühstücken. Mit knapp 15 Grad war es am Morgen überraschend frisch und ich war froh, vorsichtshalber eine Jacke eingepackt zu haben.

Anschließend machte ich mich zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt. Der Spaziergang dorthin war allerdings wenig spannend. Erst als ich die Altstadt erreichte, änderte sich das Stadtbild – leider nicht unbedingt zum Positiven. Schon mein Zimmernachbar hatte mich vor den vielen Obdachlosen gewarnt und obwohl gefühlt alle paar Meter Polizisten standen, fühlte ich mich nicht sicher.

Mein erstes Ziel war eine wunderschöne Kirche, die sowohl von außen als auch von innen beeindruckend war. Rundherum saßen und schliefen allerdings überall Obdachlose. Eigentlich wollte ich noch den angrenzenden Park besuchen, entschied mich nach einem kurzen Blick hinein aber dagegen und setzte meinen Weg lieber fort.

Die Altstadt selbst war mit ihren alten Gebäuden eigentlich sehr schön. Trotzdem konnte ich sie kaum genießen.

Kurz bevor ich die Altstadt verließ, erlebte ich dann noch eine Situation, die mich ziemlich schockierte. Ein Mann stürzte auf dem Gehweg und wurde im nächsten Moment von einem Hund gebissen, der einem Obdachlosen gehörte. Ein Polizist griff sofort ein und der Hund ließ wieder los, dennoch hatte der Mann eine sichtbare Bisswunde am Arm. Spätestens da war meine Lust auf die Innenstadt endgültig verschwunden.

Zum Glück änderte sich die Stimmung komplett, als ich mit dem Bus in das Künstlerviertel Beco do Batman fuhr. Schon am Friedhof, an dem ich ausstieg, entdeckte ich beeindruckende Grabstätten und zu meiner Überraschung sogar einige Kolibris. Nur eine Straße weiter begann dann das Viertel mit seinen riesigen Graffitikunstwerken, kleinen Cafés und gemütlichen Läden. Hier machte das Herumlaufen endlich wieder richtig Spaß.

Zum Mittagessen probierte ich ein Restaurant mit Buffet, bei dem das Essen nach Gewicht bezahlt wurde. So konnte ich von vielen verschiedenen Gerichten kleine Portionen probieren, eine perfekte Gelegenheit, die brasilianische Küche etwas kennenzulernen.

Am Nachmittag ging es weiter zu einem großen Park, der mir noch besser gefiel. Überall waren Familien unterwegs, Menschen machten Sport und zwischen den tropischen Pflanzen fühlte sich der Park fast wie ein kleiner Dschungel an. Zum ersten Mal an diesem Tag konnte ich mich richtig entspannen und einfach die Atmosphäre genießen.

Am Abend fuhr ich mit dem Bus zurück zum Hostel und kaufte unterwegs noch eine riesige Maracuja, die überraschend lecker war.

Auch wenn ich an diesem Tag einige wirklich schöne Orte entdeckt hatte, stand meine Entscheidung fest. Ich hatte das Gefühl, die spannendsten Ecken von São Paulo gesehen zu haben, und gleichzeitig fühlte ich mich in der Stadt einfach nicht wohl. Deshalb beschloss ich, meine Reise früher als geplant fortzusetzen und São Paulo bereits am nächsten Tag hinter mir zu lassen.

Lissabon – Sao Paulo

5.07.2026

Schließlich war es so weit: Es ging nach Brasilien. Dafür klingelte der Wecker mitten in der Nacht, denn ich wollte auf keinen Fall riskieren, meinen Flug zu verpassen. Am Ende war ich allerdings gute viereinhalb Stunden zu früh am Flughafen und durfte entsprechend lange auf das Boarding warten. Ein bisschen geärgert habe ich mich darüber schon, bis ich zwei Reisende mitbekam, die ihren Flug tatsächlich verpasst hatten. Da war ich plötzlich doch ganz froh, lieber zu früh als zu spät dort gewesen zu sein.

Der Flug selbst verlief überraschend angenehm. Mit Rückenwind dauerte er statt der geplanten zehneinhalb nur etwa zehn Stunden und selbst das Essen an Bord war deutlich besser als erwartet.

In São Paulo angekommen, wartete dann allerdings direkt die erste Herausforderung. Die Verbindung, die ich mir bei Google Maps herausgesucht hatte, gab es überhaupt nicht. Etwas ratlos stand ich am Bussteig vor dem Flughafen und wusste zunächst nicht so recht weiter.

Nachdem mir zwei Männer bestätigt hatten, dass ich zumindest an der richtigen Bushaltestelle wartete, stieg ich ein. Allerdings brachte mich dieser Bus nur bis zur nächsten Bahnstation. Dort ging das Chaos erst richtig los. Ich wollte ein Ticket kaufen, hatte aber noch keine brasilianischen Real dabei. Internet hatte ich ebenfalls nicht, sodass weder Google Maps noch der Übersetzer funktionierten. Der Mitarbeiter am Schalter erklärte mir irgendetwas auf Portugiesisch, ich verstand kein einziges Wort und war anschließend genauso schlau wie vorher.

Zum Glück sprach mich ein Mann an, dem wohl aufgefallen war, dass ich etwas verloren wirkte. Über den Google Übersetzer auf seinem Handy fanden wir schließlich doch einen Weg zu kommunizieren. Er arbeitete am Flughafen, war auf dem Weg in die Innenstadt, um das Fußballspiel der brasilianischen Nationalmannschaft anzuschauen, und bot kurzerhand an, mich in der Bahn mit einer zweiten Karte von Ihm mitzunehmen.

Gemeinsam fuhren wir mit Zug und Metro quer durch die Stadt. Erst kurz vor meinem Ziel trennten sich unsere Wege und er erklärte mir noch, wo ich umsteigen musste. Ohne seine Hilfe wäre ich an diesem Tag vermutlich deutlich länger unterwegs gewesen.

An der Zielstation wartete dann gleich die nächste Überraschung. Um den Bahnhof zu verlassen, brauchte man eigentlich wieder eine Chipkarte für die Drehkreuze und die hatte ich natürlich nicht. Wieder halfen mir einige freundliche Brasilianer weiter. Mit Händen, Füßen und dem Google Übersetzer erklärten sie mir schließlich, dass an Sonntagen sämtliche Metro- und Zugverbindungen in São Paulo kostenlos sind. Ich hätte also gar kein Ticket kaufen müssen. Es fehlte lediglich die Chipkarte zum Öffnen der Schranke, sodass mich kurzerhand jemand durchließ und mir anschließend noch den Weg zum Hostel erklärte.

Vor der Station bekam ich meinen ersten Eindruck von Brasilien. Auf der großen Straße herrschte reges Treiben. Viele Menschen waren unterwegs, Straßenstände hatten geöffnet und überall schien man sich auf das Fußballspiel zu freuen. Als ich jedoch in die kleineren Seitenstraßen Richtung Hostel abbog, änderte sich die Stimmung schlagartig. Niemand war unterwegs, überall lag Müll herum und über den Straßen verliefen unzählige Strom- und Telefonleitungen, die das etwas unheimliche Bild verstärkten. Das wirkte zunächst etwas ungewohnt. Da mir mehrere Einheimische versichert hatten, dass die Gegend trotzdem als sicher gilt, brachte ich noch die letzten Meter zu meiner Unterkunft hinter mich.

Das Hostel selbst entpuppte sich als eine kleine Überraschung. Es stand komplett unter dem Motto Harry Potter. Überall hingen Bilder der Figuren und kleine Dekorationen aus der Zauberwelt. Zwar gab es ein paar Kleinigkeiten, die nicht ganz perfekt waren. Mein Bett hatte beispielsweise nur auf einer Seite einen Vorhang und warmes Wasser war eher Glückssache, insgesamt machte das Hostel aber einen sehr gemütlichen Eindruck.

Die Besitzer waren ausgesprochen freundlich. Schade war nur, dass sie ausschließlich Portugiesisch sprachen und wir uns deshalb fast nur mit Händen, Füßen und dem Google Übersetzer verständigen konnten.

Mein Zimmer teilte ich mit einem Russen, der glücklicherweise Englisch sprach. Er gab mir einige Tipps, welche Ecken von São Paulo sehenswert sind und welche ich besser meidensollte. Seine Erzählung haben mich etwas geschockt denn es klang, als gäbe es in Sao Paulo keine einzige sichere Ecke.

Mit einer groben Planung für den nächsten Tag und einer ordentlichen Portion Respekt vor der riesigen Stadt fiel ich schließlich müde ins Bett. Mein Brasilien-Abenteuer hatte gerade erst begonnen.

Lissabon 3

3. – 4.06.2026

Die nächsten beiden Tage in Lissabon verliefen deutlich ruhiger. Nach den vielen Eindrücken der vergangenen Tage tat es gut, einfach mal einen Gang herunterzuschalten.

Einen Großteil der Zeit verbrachte ich im wunderschönen Garten des Hostels. Zwischen Palmen, schattigen Plätzen und entspannter Atmosphäre plante ich meine Weiterreise nach Brasilien und genoss es, einfach einmal nichts besichtigen zu müssen.

Zwischendurch zog es mich noch einmal in den Botanischen Garten. Dort gab es eine beeindruckende Vielfalt an Pflanzen zu entdecken. Neben riesigen Sukkulenten wuchsen dort auch zahlreiche bunte Blumen und andere exotische Gewächse.