Sucre, 17.08.2026

Am nächsten Morgen ging es für Forest und mich ohne Zoe in die Innenstadt, denn sie blieb noch einen Tag länger in Sucre und musste einige organisatorische Dinge erledigen.

Zu zweit klapperten wir also die Innenstadt ab. Kleine Kinder liefen in einer Parade durch die Stadt und erinnerten dabei an den Kinderkarneval, den wir bereits in Potosí gesehen hatten. Ein wirklich süßer Anblick.

Anschließend kamen wir zu einem lokalen Markt, auf dem wirklich alles verkauft wurde: Obst, Gemüse, Brot, Fleisch, ganze Gerichte, Nachspeisen, einfach alles war dabei.

Weiter ging es zu einem Museum über traditionelle bolivianische Weberei. Dort besorgten wir uns beide ein kleines Mitbringsel: einen Schlüsselanhänger mit einem typisch traditionellen Motiv.

Als letzter Stopp war ein Kloster geplant, in dessen Umgebung es einen weiteren Markt geben sollte und außerdem eine schöne Aussicht. Und wir wurden nicht enttäuscht. Unter uns erstreckte sich die gesamte Stadt und endlich bewegten wir uns durch die kleinen, süßen, kopfsteingepflasterten Gässchen, die ich mir am Vorabend so sehr gewünscht hatte.

Da uns inzwischen der Hunger plagte, ging es wieder zurück zum Markt, wo wir uns traditionelle Gerichte zum Mittagessen besorgten. Um ehrlich zu sein, weiß ich bis heute nicht genau, was ich gegessen hatte, aber es hat wirklich gut geschmeckt. Forest besorgte sich eine traditionelle Suppe, und auch die schmeckte richtig gut.

Als Durstlöscher bestellten wir Zuckerrohrsaft, der direkt vor unseren Augen frisch gepresst wurde. Leider war er uns beiden etwas zu süß. Als Nachtisch gab es für mich einen Milchpudding mit Götterspeise, geschmacklich leider nur mittelmäßig.

Gestärkt ging es weiter in ein kleines Café, wo wir uns noch mit einem Kaffee stärkten, bevor unser letzter Stopp anstand: eine Kirche, von deren Dach aus wir die Aussicht über Sucre noch einmal bewundern konnten. Nach einer kurzen Führung durften wir uns frei in der Kirche bewegen. Es war ein wirklich schöner Aussichtspunkt und die Kirche selbst noch erstaunlich gut erhalten. Die weißen Säulen und Bögen vor dem dunklen Himmel sahen richtig beeindruckend aus.

Anschließend ging es zurück zum Hostel, um Zoe noch einmal zu treffen, bevor Forest und ich Sucre verließen. Wir genossen gemeinsam noch den Garten des Hostels, planten unsere Weiterreise und stärkten uns mit der Pizza vom Vorabend. Danach ging es für Zoe ins Kino und für mich zur Bushaltestelle. Forest nahm einen späteren Bus.

Damit hätte ein ziemlich perfekter Tag eigentlich zu Ende gehen können. Aber natürlich konnte es nicht ganz so einfach bleiben.

Mein Versuch, Bargeld abzuheben, scheiterte nämlich kläglich. Damit hatte ich nicht genug Geld, um mein Busticket zu bezahlen. In der Hoffnung, dass zumindest Kartenzahlung funktionieren würde und der Busbahnhof überhaupt Kartenlesegeräte hatte, machte ich mich also auf den Weg.

Natürlich akzeptierte niemand Kartenzahlung.

Zum Glück fand ich schließlich jemanden, der, wenn auch zu einem grottenschlechten Wechselkurs, meine letzten Euros akzeptierte, die ich noch in meinem Rucksack hatte. So konnte ich meine Reise nach La Paz schließlich doch antreten.

Zwar war ich etwas nervös, weil ich keine Ahnung hatte, wann und wie sich das Geldproblem lösen würde, aber ich war mir sicher, dass ich in La Paz als deutlich größerer Stadt bessere Möglichkeiten haben würde, das Problem zu lösen. Nachdem ich meiner Bank noch mein Problem mitgeteilt hatte, konnte ich mich schließlich zurücklehnen und die Busfahrt größtenteils verschlafen.

Potosi-Sucre, 16.08.2026

Nachdem Zoe und ich das Frühstück noch einmal in vollen Zügen genossen hatten, ging es mit einem Taxi zur Bushaltestelle. Zwar sah das Taxi nicht besonders vertrauenserweckend aus, gesprungene Scheiben und insgesamt ein ziemlich klappriger Zustand, aber immerhin brachte es uns sicher ans Ziel.

An der Bushaltestelle trafen wir Viktor wieder. Nach einem kurzen Stopp in der Innenstadt stieg außerdem Forest zu, den wir am Vortag beim Abendessen kennengelernt hatten.

Die Busroute führte wie schon zuvor durch die Berge, allerdings waren diese hier deutlich stärker bewohnt und es wurde wesentlich mehr Landwirtschaft betrieben. Die Landschaft wirkte dadurch deutlich grüner und belebter als auf den bisherigen Strecken.

Ein weiteres Taxi brachte Forest, Zoe und mich zu unserem Hostel, während Viktor in einem anderen Hostel unterkam. Nach einer kurzen Verschnaufpause machten wir drei uns auf den Weg in die Innenstadt. Wir besorgten uns Pizza und ein Eis und schlenderten anschließend ein wenig durch die Straßen.

Schon auf den ersten Blick war zu erkennen, dass Sucre eine vergleichsweise reiche Stadt war. Allerdings fuhren durch die gesamte Innenstadt Autos, was die Atmosphäre etwas trübte. Nachdem mir so viele Leute von Sucre vorgeschwärmt hatten, war ich daher zunächst fast ein wenig enttäuscht. Wir beschlossen aber, uns die Stadt am nächsten Tag noch einmal bei Tageslicht anzuschauen, bevor wir uns endgültig eine Meinung bildeten.

Damit ging unser erster Abend in Sucre zu Ende.

Potosi, 15.08.2026

Nach einem unglaublich leckeren Frühstück ging es zusammen mit Viktor ab in die Mine. Wir bekamen professionelle Ausrüstung zur Verfügung gestellt, eine Einweisung, wie das Sprengen in der Mine funktioniert, und kauften, wie es die Tradition vorsah, Geschenke für die Minenarbeiter. Anschließend wurden wir zur Mine gefahren.

Und es war wirklich spektakulär und erschreckend zugleich.

Da die Mine immer noch in Betrieb war, konnten wir den Arbeitern bei ihrer Arbeit zusehen. Unser Tourguide erklärte uns, wie die Arbeit und die Bezahlung funktionierten, und wir konnten selbst tief in die Mine hineingehen.

So stark wie nie zuvor seit Beginn der Reise wurde mir bewusst, wie glücklich ich mich schätzen konnte, unter so privilegierten Bedingungen geboren worden zu sein. Die Menschen, die in der Mine arbeiteten, hatten laut unserem Guide eine Lebenserwartung von gerade einmal 55 Jahren. Er selbst hatte 18 Jahre lang in der Mine gearbeitet und erzählte uns, dass allein in seiner Sektion sechs Menschen ums Leben gekommen und unzählige weitere schwer verletzt worden waren.

Und trotz der fehlenden Sicherheitsvorkehrungen und des enormen Risikos war die Arbeit in der Mine eine der beliebtesten Beschäftigungen, weil sie, zumindest für bolivianische Verhältnisse, vergleichsweise gut bezahlt wurde. Die Arbeitsbedingungen waren wirklich erschreckend und erinnerten trotz der Bezahlung teilweise an Sklaverei. Ein bedrückender Gedanke.

Während der Führung wurde uns nicht nur die Arbeit der Minenarbeiter nähergebracht, sondern auch ihre Kultur. Sie verehren Pachamama, also Mutter Erde, und der Monat August wird traditionell genutzt, um der Erde Opfergaben darzubringen. Dazu gehören unter anderem Alkohol, Zigaretten und Coca, aber auch frisch vor Ort geschlachtete Lamas.

Apropos Alkohol, Zigaretten und Coca: Kein Minenarbeiter ging nüchtern zur Arbeit. Sie nutzten Alkohol, Zigaretten und Coca-Blätter, um benebelt in die Mine zu gehen. Da unser Tourguide selbst 18 Jahre lang in der Mine gearbeitet hatte, war auch er alkoholabhängig. Er versuchte uns zu erklären, inwiefern es tatsächlich besser sei, angetrunken zu arbeiten, doch keiner von uns konnte das wirklich nachvollziehen.

Alles in allem war es eine unglaublich interessante, aber gleichzeitig auch sehr erschreckende Führung. Sie hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, unter welchen Bedingungen manche Menschen arbeiten müssen und wie selbstverständlich wir viele unserer eigenen Privilegien nehmen.

Wieder im Hostel angekommen, wuschen wir uns erst einmal den Staub der Mine ab. Anschließend ging es für mich noch einmal in die Stadt, denn dort fand gerade ein Kinderkarneval statt. Eine wirklich süße Veranstaltung, die einen starken Kontrast zu den Eindrücken aus der Mine bildete.

Am Abend kochten Zoe und ich uns noch Pasta, und damit ging ein weiterer ereignisreicher Tag zu Ende.

Uyuni-Potosi, 14.08.2026

Am nächsten Tag ging es dann endlich für alle weiter. Nach einem entspannten Frühstück machten sich Alexander und Jean-Baptiste auf den Weg zur argentinischen Grenze, während es für mich zum Busbahnhof und anschließend nach Potosí ging.

Die Straße führte durch wunderschöne Landschaften. Zwar waren die Steigungen teilweise gewaltig, aber ich dachte mir dabei, dass Bolivien eigentlich ein wirklich schöner Ort für eine Radtour sein müsste.

In Potosí angekommen, musste ich etwa eine halbe Stunde von der Bushaltestelle bis zum Hostel laufen und dabei machten sich die 4.000 Meter über dem Meeresspiegel wirklich bemerkbar. Potosí ist an einem Berghang gebaut und da sich die Bushaltestelle ganz unten befand, musste ich dementsprechend weit bergauf laufen. Und ich kann sagen: Bei 4.000 Metern ist das wirklich anstrengend! In diesem Moment war ich einfach nur froh, dass ich ansonsten keine körperlichen Probleme mit der Höhe hatte.

Zoe war gerade auf einer Minentour, als ich ankam, und so machte ich mich mit Viktor, einem Russen, den ich im Hostel kennenlernte, auf den Weg, den Ort zu erkunden. Die Innenstadt von Potosí war wirklich unglaublich süß und man hatte fast das Gefühl, durch ein kleines spanisches Küstenörtchen zu spazieren.

Als Zoe am Abend schließlich wiederkam, gingen wir gemeinsam eine traditionelle bolivianische Suppe essen, die durch einen heißen Stein direkt in der Suppe kochend serviert wurde.

Anschließend ging es für uns pünktlich ins Bett, denn zumindest ich musste am nächsten Morgen früh aufstehen, um selbst die Minentour machen zu können.

Uyuni, 13.08.2026

Am nächsten Tag ging es zumindest mir schon wieder deutlich besser. Nach einem zunächst kleinen Frühstück traf ich mich direkt morgens mit Zoe, da wir uns zuvor nicht richtig hatten verabschieden können. Wir schlenderten gemeinsam durch die Stadt, schauten uns den lokalen Markt an und dann war es auch schon Zeit für Zoe, nach Potosí aufzubrechen.

Ich brachte sie zum Busbahnhof und kehrte anschließend zu meinem Hostel zurück, um einen Plan für die nächsten Tage zu machen und Alexander und Jean-Baptiste Gesellschaft zu leisten, während die beiden noch die letzten Ausläufer ihrer Lebensmittelvergiftung auskurieren mussten.

Am Abend trafen wir uns dann noch einmal mit Etien und dem Rest der Reisegruppe zum gemeinsamen Abendessen. Während des Essens schwärmte Etien von Potosí und Sucre und brachte mich damit spontan auf die Idee, Zoe am nächsten Tag hinterherzureisen.

Auf dem Nachhauseweg entdeckten wir eine riesige Gruppe tanzender Kinder. Nachdem wir ausreichend Fotos und Videos gemacht hatten und schon fast wieder am Hostel angekommen waren, wurden wir plötzlich von einem parkenden Zug aufgehalten. Er versperrte die komplette Straße und rangierte ständig vor und zurück, als würde er jeden Waggon einzeln parken.

Nachdem wir etwa zehn Minuten gewartet hatten, machten wir es schließlich den Einheimischen nach und sprinteten in einem günstigen Moment hinter dem Zug vorbei. So konnten wir endlich zurück zum Hostel. Dort wurde uns bestätigt, dass der Zug tatsächlich jeden einzelnen Waggon parkte und entkoppelte, um ihn zu be- oder entladen.

Erschöpft fielen wir schließlich ins Bett.